Wie die Kronen Zeitung aktuell berichtet, stehen hinter zahlreichen Online-Casinos mit Glücksspiellizenz aus Curaçao österreichische Eigentümer oder Betreiber. Aufgedeckt hat das die Recherche-Plattform „Jetzt“.

Die Karibikinsel als Glücksspiel-Drehscheibe

Curaçao gilt neben Malta als einer der wichtigsten Standorte der weltweiten Online-Glücksspielbranche. Außerhalb des Inselstaats haben die dort vergebenen Lizenzen allerdings kaum rechtliches Gewicht. In Österreich ist nach wie vor nur das Angebot der Casinos-Tochter Win2Day legal. Aber auch andere EU-Staaten verlangen eigene, nationale Lizenzen.

Trotzdem lassen sich viele dieser Seiten problemlos von Österreich aus aufrufen, und manche werben sogar ganz gezielt um heimische Spieler. Technisch wäre eine Sperre für bestimmte Länder durchaus möglich: Win2Day etwa beschränkt ihr Angebot ausschließlich auf Österreich.

Ein Datenleck bringt Licht ins Dunkel

Ins Rollen kam die Recherche durch die deutsche IT-Sicherheitsexpertin und Journalistin Lilith Wittmann. Sie verschaffte sich Zugang zum System der Glücksspielbehörde von Curaçao und lud Hunderte Lizenzanträge herunter, darunter etliche mit Bezug zu Österreich.

Die Vorgaben der Behörde sind überschaubar. Gesperrt werden müssen nur Spieler aus Curaçao selbst, aus anderen Teilen des Königreichs der Niederlande, aus den USA sowie aus Ländern, die unter UN-Sanktionen stehen, etwa Nordkorea. Für alle anderen Märkte gibt es keine Einschränkungen.

Beispiele aus den Unterlagen

Laut den Dokumenten soll ein Niederösterreicher zwei Online-Casinos besitzen, die sich an wohlhabende VIP-Kundschaft in Zentraleuropa und Südasien richten. Wer eine österreichische Adresse und Telefonnummer hat, kann sich dort anmelden und über ein Konto in Malta Geld einzahlen. Ein weiterer Österreicher ist demnach Miteigentümer zweier Firmen, die von Curaçao aus Glücksspielseiten betreiben. Die Server sollen in Europa stehen, die Beteiligungen laufen über ein Firmennetz in Österreich, Luxemburg, Zypern und schließlich Curaçao.

Insgesamt finden sich in der geleakten Datenbank Tausende Personen aus aller Welt. Nicht alle dürften freiwillig dort stehen: Laut „Jetzt“ könnte es sich bei manchen um Strohleute handeln oder um Personen, die ohne ihr Wissen eingetragen wurden.

Ausgewertet wurden die Daten gemeinsam mit Wittmann, der niederländischen Plattform „Follow the Money“ und den Sendern NRK (Norwegen), SVT (Schweden) und NDR (Deutschland).