Online-Glücksspiel in Deutschland: Schwarzmarkt bleibt trotz Legalisierung stark

Seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 ist Online-Glücksspiel in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen legal. Ziel der Regulierung war es, Spielerinnen und Spieler stärker zu schützen und gleichzeitig illegale Angebote zurückzudrängen. Doch fünf Jahre später zeigt sich: Der Schwarzmarkt spielt weiterhin eine bedeutende Rolle. Wie ein aktueller Bericht von BR24 beschreibt, ist trotz der Legalisierung noch immer ein erheblicher Teil des Online-Glücksspiels nicht reguliert. Rund 23 Prozent entfallen auf den Schwarzmarkt Der deutsche Glücksspielmarkt ist groß: Legale Anbieter erzielten zuletzt Bruttospielerträge von rund 14,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig verlagert sich das Glücksspiel zunehmend ins Internet. Zwischen 2022 und 2025 stieg der Online-Anteil von gut 19 auf mehr als 24 Prozent. Besonders auffällig ist der weiterhin hohe Anteil illegaler Angebote. Laut einer von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) beauftragten Untersuchung entfallen rund 77 Prozent des Marktvolumens auf legale Angebote. Damit werden etwa 23 Prozent der Einsätze weiterhin auf dem Schwarzmarkt getätigt. Spielerschutz trifft auf attraktiven Schwarzmarkt Für die Politik entsteht dadurch ein schwieriger Balanceakt. Legale Anbieter müssen zahlreiche Vorgaben zum Spieler- und Jugendschutz erfüllen. Dazu zählen Einzahlungslimits, Sperrsysteme und Werbebeschränkungen. Diese Maßnahmen sollen insbesondere Menschen vor problematischem Spielverhalten schützen. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass zu starke Einschränkungen den illegalen Markt attraktiver machen. Dort gelten die deutschen Schutzvorschriften nicht, wodurch Spieler leichter bestehende Limits umgehen können. Ein vollständiges Verbot wäre deshalb ebenfalls problematisch: Es könnte dazu führen, dass sich noch größere Teile des Glücksspiels in den nicht regulierten Bereich verlagern. Problematisches Spielen verlagert sich ins Internet Auch bei der Glücksspielsucht zeigt sich die zunehmende Bedeutung des Internets. In Bayern gelten laut den im BR24-Bericht genannten Zahlen rund 200.000 Menschen als von einer Glücksspielstörung betroffen. Während früher vor allem Geldspielautomaten in Spielhallen eine wichtige Rolle spielten, nennen inzwischen mehr als 60 Prozent der Hilfesuchenden Online-Glücksspiel als ihre wichtigste Spielform. Ein wichtiges Instrument zum Schutz gefährdeter Spieler ist das bundesweite Sperrsystem. Rund 390.000 Personen sind darin registriert. Allerdings erfolgen etwa 97 Prozent dieser Sperren auf Initiative der Betroffenen selbst. Suchtexperten sehen deshalb noch Verbesserungsmöglichkeiten bei der frühzeitigen Erkennung problematischen Spielverhaltens durch die Anbieter. Regulierung soll überprüft werden Die Bundesländer überprüfen derzeit die bisherigen Regelungen und wollen bis Ende 2026 klären, wo Anpassungen notwendig sind. Dabei geht es vor allem darum, einen wirksamen Spielerschutz sicherzustellen, ohne gleichzeitig den illegalen Markt zu stärken. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Die Legalisierung hat einen großen Teil des Online-Glücksspiels in regulierte Bahnen gelenkt. Ein Schwarzmarktanteil von rund 23 Prozent macht jedoch deutlich, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht. Fazit Die Regulierung des Online-Glücksspiels bleibt ein Balanceakt. Einerseits müssen Spieler wirksam vor Sucht und finanziellen Risiken geschützt werden. Andererseits sollte der legale Markt attraktiv genug bleiben, damit Spieler nicht auf unregulierte Plattformen ausweichen. Die kommende Überprüfung des Glücksspielstaatsvertrags wird daher zeigen müssen, wie Deutschland diesen Spagat künftig besser bewältigen kann.