Mit Ablauf der Begutachtungsfrist zum neuen Glücksspielgesetz ist deutlich geworden, wie kontrovers die geplante Reform des österreichischen Online-Glücksspielmarktes diskutiert wird. Wie unter anderem Der Standard berichtet, sind insgesamt 107 Stellungnahmen von Unternehmen, Interessenvertretungen, Ländern, Verbänden und Organisationen zum Gesetzesentwurf eingegangen. Sie zeigen, dass die grundsätzliche Stoßrichtung der Reform – die Öffnung des Online-Marktes bei gleichzeitig stärkerem Spielerschutz – zwar vielfach mitgetragen wird, bei der konkreten Ausgestaltung jedoch erheblicher Diskussionsbedarf besteht.

Datenschutz rückt stärker in den Fokus

Besonders intensive Diskussionen lösen die vorgesehenen Maßnahmen gegen illegale Online-Anbieter aus. Der Gesetzesentwurf sieht unter anderem Netzsperren und Payment-Blocking vor, um nicht konzessionierte Glücksspielangebote wirksamer vom österreichischen Markt fernzuhalten. Während dieses Ziel grundsätzlich breite Unterstützung findet, stoßen die geplanten technischen Maßnahmen auf erhebliche datenschutzrechtliche Bedenken.

So warnen unter anderem Epicenter Works und Mozilla vor den möglichen Folgen der vorgesehenen Netzsperren. Kritisiert wird insbesondere, dass der Gesetzesentwurf offenlässt, welche technischen Verfahren künftig eingesetzt werden sollen. Je nach Umsetzung könnte es zu sogenanntem Overblocking kommen, bei dem nicht nur illegale Glücksspielseiten, sondern auch völlig legale Internetangebote unbeabsichtigt gesperrt werden. Gleichzeitig werden Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, der Informationsfreiheit sowie eines ausreichenden Rechtsschutzes für betroffene Anbieter geäußert.

Spielerschutz braucht Rechtssicherheit

Die Diskussion zeigt, wie schwierig die Balance zwischen wirksamer Regulierung und rechtsstaatlichen Garantien ist. Ein konsequentes Vorgehen gegen illegale Glücksspielangebote ist zweifellos notwendig. Gleichzeitig sollten neue Eingriffsbefugnisse so ausgestaltet sein, dass sie technisch präzise, verhältnismäßig und rechtssicher umgesetzt werden können. Gerade Netzsperren greifen tief in die digitale Infrastruktur ein und bedürfen daher klarer gesetzlicher Vorgaben sowie effektiver Kontrollmechanismen.

Das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen

Die Vielzahl und Bandbreite der Stellungnahmen verdeutlicht, dass die Glücksspielreform noch erhebliches Anpassungspotenzial besitzt. Neben Fragen der Marktöffnung und des Spielerschutzes rücken zunehmend auch Datenschutz, technische Umsetzbarkeit und Rechtssicherheit in den Mittelpunkt der Diskussion. Es bleibt abzuwarten, welche Anregungen aus dem Begutachtungsverfahren Eingang in den endgültigen Gesetzestext finden werden. Klar ist jedoch schon jetzt: Die 107 Stellungnahmen haben wichtige Impulse geliefert und werden den weiteren Gesetzgebungsprozess maßgeblich prägen.